Vier intensive Tage auf der IFAT in München liegen hinter uns – geprägt von spannenden Gesprächen, neuen Impulsen und zahlreichen praxisnahen Einblicken. Als weltweit führende Messe für Umwelttechnologien bot die IFAT einmal mehr eine zentrale Plattform für den fachlichen Austausch der Wasser- und Abfallwirtschaft.
Parallel zur Messe fand auch die Vollversammlung der European Water Association (EWA) statt. Der ÖWAV war dabei durch Ehrenpräsident Johann Wiedner sowie Kollegin Fruzsina Földes vertreten und aktiv in den internationalen Austausch eingebunden.
Im Fokus der IFAT standen insbesondere die Themen Digitalisierung, Recycling, Kreislaufwirtschaft, Wasserver- und -entsorgung sowie Klimaresilienz. Auffällig war auch die starke Präsenz von über 110 österreichischen Ausstellern, die innovative Lösungen präsentierten. Auch Bundesminister Norbert Totschnig war vor Ort und begleitete den Auftakt des österreichischen Messeauftritts.
Zentrale Erkenntnisse aus der Wasserwirtschaft
Die Gespräche mit Betreiber:innen und Expert:innen machten deutlich:
Die Umsetzung regulatorischer Anforderungen bleibt eines der dominierenden Themen.
Viele Betreiber von Kläranlagen fordern eine rasche Umsetzung der Kommunalen Abwasserrichtlinie (KARL). Gleichzeitig stößt die aktuelle Diskussion rund um die erweiterte Herstellerverantwortung (EPR) vielfach auf Skepsis und Unverständnis.
Der Investitionsbedarf in der (Ab-)Wasserwirtschaft wird weiter deutlich steigen. Laut einer Studie im Auftrag des VKU wird dieser in Deutschland bis 2044 auf rund 40 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt – etwa das Vierfache des heutigen Niveaus. Treiber sind insbesondere der Klimawandel, der bestehende Instandhaltungsbedarf sowie zunehmende regulatorische Anforderungen.
International gewinnt das Thema Trockenheit und Wasserknappheit zunehmend an Bedeutung. Viele Länder arbeiten bereits mit Dürreplänen, mit dem Ziel, den Haushaltswasserverbrauch deutlich zu reduzieren – von teils über 130 Litern auf unter 80 Liter pro Person und Tag. Erste Erfolge sind etwa in Städten wie Los Angeles sichtbar.
Auch in Europa werden regionale Ungleichgewichte deutlicher sichtbar: In Bayern etwa gerät die Wasserbilanz zunehmend aus dem Gleichgewicht. Als Gegenmaßnahmen wurden insbesondere die Diversifizierung der Landschaft, die Stärkung regionaler Wasserkreisläufe sowie eine intensivere Wasserwiederverwendung diskutiert.
Entwicklungen in der Abfall- und Kreislaufwirtschaft
Auch im Bereich der Kreislaufwirtschaft wurde klar: Die Transformation ist in vollem Gange, erfordert jedoch noch stärkere Einbindung der Industrie.
Die derzeitige Regulierung adressiert in vielen Bereichen noch primär die Abfallwirtschaft, während die Verantwortung der produzierenden Industrie aus Sicht vieler Akteur:innen weiter gestärkt werden muss.
Eine aktuelle Studie des BDI zeigt das Potenzial der Circular Economy deutlich: Bis 2045 könnten je nach Rohstoff 20–40 % der Importe substituiert werden. Dafür wären einmalige Investitionen von rund 20 Milliarden Euro notwendig, die sich jedoch bereits kurzfristig amortisieren könnten.
Übergreifende Beobachtungen
Neben den fachlichen Einblicken haben sich auch einige übergreifende Trends klar abgezeichnet:
Technische Lösungen sind weitgehend vorhanden – die eigentlichen Herausforderungen liegen in der Umsetzung und Skalierung.
Die Bedeutung von interdisziplinärer Zusammenarbeit nimmt weiter zu, insbesondere an den Schnittstellen zwischen Wasser-, Abfall-, Energie- und Industriesektor.
Digitalisierung und Künstliche Intelligenz sind zwar in allen Bereichen angekommen, befinden sich jedoch vielfach noch im Pilot- oder Demonstrationsstadium. Gerade in der weiterhin stark analog geprägten Wasserinfrastruktur bestehen erhebliche Potenziale.
Ein zentraler Erfolgsfaktor bleibt die frühzeitige Einbindung der Mitarbeiter:innen, um Transformationsprozesse nachhaltig zu verankern.
Austausch und Netzwerk: IFAT als Plattform
Neben den fachlichen Inhalten bot die IFAT auch zahlreiche Möglichkeiten zum persönlichen Austausch. Gespräche mit ÖWAV-Mitgliedern, internationalen Partnerorganisationen sowie neuen Kontakten unterstrichen einmal mehr die Bedeutung starker Netzwerke für die Weiterentwicklung der Branche.
Die IFAT hat gezeigt: Die Richtung stimmt.
Nun gilt es, die vorhandenen Lösungen konsequent umzusetzen, Investitionen zu mobilisieren und die Zusammenarbeit über Sektorengrenzen hinweg weiter zu intensivieren.
Der ÖWAV wird diesen Prozess weiterhin aktiv begleiten und Impulse für eine nachhaltige, zukunftsfähige Wasser- und Kreislaufwirtschaft setzen.