24.09.19
KAN-Sprechertagung 2019

Die 28. Sprechertagung der ÖWAV-Kläranlagen-Nachbarschaften, zugleich 18. Sprechertagung der ÖWAV-Kanal-Nachbarschaften, wurde am 11. und 12. September 2019 unter der Leitung von Dr. Stefan Wildt vom Amt der Tiroler Landesregierung abgehalten.

Begrüßt wurden die TeilnehmerInnen durch Landesrat KommR Ing. Wolfgang Klinger (OÖ), ÖWAV-Präsidenten Baurat h.c. DI Roland Hohenauer und Tagungsleiter Dr. Stefan Wildt

Dr. Wildt hob bei seiner Begrüßung das außerordentliche Engagement der Sprecher und Betreuer über das ganze Jahr hervor und bedankte sich hierfür. Der Dank richtete sich auch an das ÖWAV-Kernteam, das mit den Agenden der KAN betraut ist, sowie an die Betreuer der Groß-KAN, Univ.-Prof. DI Dr. Thomas Ertl (Kanal) und Univ.-Prof. Dr.-Ing. Jörg Krampe (Kläranlagen). Weiters sprach Dr. Wildt die neu gestaltete KAN-Broschüre an, die ab diesem Jahr in einem anderen Format (A4) und in Farbe gedruckt wurde, wodurch auch mehr Fachbeiträge für die Broschüre eingereicht wurden. Im Anschluss gratulierte ÖWAV-Präsident Baurat h.c. DI Roland Hohenauer Stefan Wildt zu 25 Jahren KAN und davon 5 Jahre KAN-Leitung.

Der ÖWAV-Präsident betonte in seiner Ansprache die Wichtigkeit einer guten Ausbildung der Klärwärter, da diese die mit großem Aufwand finanzierte Infrastruktur instand halten. Dafür sprach er der Branche auch seinen Dank aus. Weiters berichtete er kurz über Neuerungen im ÖWAV, die anstehenden Veröffentlichungen und über die vergangene ÖWAV-Vollversammlung, im Zuge derer Hohenauer für eine weitere Periode bis 2023 gewählt wurde.

Landesrat KommR Ing. Wolfgang Klinger berichtete im Anschluss an Hohenauer, dass er bereits als Bürgermeister mit der Thematik der Abwasserreinigung betraut war, sein Interesse bestehe auch aufgrund seiner Ausbildung in der Fachrichtung Tiefbau. Er sei überzeugt, dass die Weitergabe des eigenen Wissens in der Nachbarschaft wichtig ist, um alle Klärwärter auf dem Stand der Technik zu halten und damit die Qualität der Branche zu sichern. Die Einrichtung der Kanal- und Kläranlagen-Nachbarschaften ist dadurch sehr wichtig, die Bereitschaft zur Weiterbildung ist maßgeblich für den Gewässerschutz. Er dankte allen Beteiligten für das Engagement.

HR DI Gerhard Fenzl, Leiter der Fachgruppe „Abwassertechnik und Gewässerschutz“ im ÖWAV, der den ersten Block der Veranstaltung moderierte, blickte auf sein Engagement in den letzten 28 Jahren zurück und berichtete über Neues aus der Fachgruppe Abwassertechnik und Gewässerschutz.

Stefan Wildt begann seinen ersten Vortrag über den Tätigkeitsbericht des Arbeitsjahres mit den vergangenen, wie auch den aktuellen Herausforderungen. Dabei blieb die Knappheit der Ressourcen (finanziell aber auch personell) ein Thema, aber auch der sich abzeichnende Generationenwechsel und die Gespräche über die Finanzierung in der Siedlungswasserwirtschaft. Er führte weiter aus, dass derzeit 977 Kläranlagen und 349 Kanalbetriebe an der KAN teilnehmen. Diese sind in 55 Kläranlagen- und 18 Kanal-Nachbarschaften organisiert. Zudem sprach er die entscheidenden Neuerungen in diesem Jahr an, unter anderem die Einführung des Kläranlagenportals auch für die Kanal-Nachbarschaften und die Neugestaltung der KAN-Broschüre. Wildt sieht diese als neue „Visitenkarte“, mit der es auch gelungen ist, eine Vielzahl an Fachbeiträgen aus dem Programm der Sprechertagung zu veröffentlichen. 

Der Leistungsnachweis, der von Dr. Stefan Lindtner präsentiert wurde, eröffnete wie schon letztes Jahr den fachlichen Teil der Veranstaltung. Dieses Jahr haben 822 kommunale Abwasserreinigungsanlagen mit 22,3 Mio. EW und 18 gewerbliche oder industrielle Anlagen mit 3,0 EW am Leistungsvergleich teilgenommen. Davon befinden sich 29 Anlagen bzw. 2,0 Mio. EW in Südtirol. 99 % der Daten wurden bereits über das Kläranlagenportal geliefert, was wieder eine Steigerung zum letzten Jahr bedeute. Mit dem Leistungsnachweis 2018 wurde das Hauptaugenmerk auf die Stickstoffentfernung gelegt. Fragen, die im Anschluss an den Vortrag diskutiert wurden, waren der Einfluss der Kanalsysteme auf die Stickstoffentfernung (Stichwort Fremdwasser), sowie auch der Einfluss der Witterungsverhältnisse (trockene Perioden und Jahre, viele Regentage etc.). 

Die Vorträge des ersten Tages waren wie üblich für das Programm der Kläranlagen-Nachbarschaften vorgesehen. Im ersten Block waren diese noch sehr abwechslungsreich gestaltet, der zweite Block setzte sich dann speziell mit der Eigenüberwachung, sowie der Plausibilität der erhobenen Daten auseinander. Dabei wurde auch das im ÖWAV-Arbeitsausschuss erarbeitete Merkblatt „Arbeitsanleitung zu Durchführung von Abwasseranalysen auf kommunalen Kläranlagen im Rahmen der Eigenüberwachung“ vorgestellt. Auch der Nachmittag des ersten Tages wurde sehr praxisnah mit der Präsentation des ÖWAV-KAN-Forschungsprojekts „Mikrosieb als Verfahrenstechnik für die energetische Nutzung des Abwassers“ durch DI Lydia Jahn (TU Wien), aber auch Vorträgen über Fettabscheider fortgeführt. Etwas theoretischer waren die Ausführungen von der Leiterin des Kompetenzzentrums Spurenstoffe Baden-Württemberg, Dr.-Ing. Marie Launay beim Vergleich von Emissionen organischer Spurenstoffe aus kommunalen Kläranlagen und Mischwasserentlastungen. 

Wie jedes Jahr wurde der erste Tag mit Ehrungen und Verabschiedungen verdienter MitarbeiterInnen der Nachbarschaften und der Vorstellung der neuen Betreuer und Sprecher beendet. Der ÖWAV bedankt sich auch an diese Stelle ganz herzlich für das große Engagement!

Den zweiten Tag der Veranstaltung eröffnete wieder Dr. Stefan Wildt mit dem Arbeitsprogramm für das kommende Jahr. Weiters wurden Neuerungen aus der Nachbarschaftsarbeit vorgestellt, dabei standen die digitale Broschüre, sowie die neuen Funktionen im Kläranlagenportal im Vordergrund. 

Die weiteren Vorträge am zweiten Tag der Veranstaltung waren speziell für die Kanal-Nachbarschaften vorgesehen. Es wurde unter anderem über die Möglichkeit von Messungen in Mischwassersystemen diskutiert, den Betrieb schwer zugänglicher Kanäle im ländlichen Bereich aber auch über alternative und naturnahe Möglichkeiten zur Regenwasserbehandlung gesprochen. 

Wildt dankte in seinen Schlussworten allen Vortragenden, den Moderatoren und den interessierten TeilnehmerInnen für die Diskussionsbeiträge. Er plädierte abschließend an alle TeilnehmerInnen sich Gedanken darüber zu machen, was für die Nachbarschaftsarbeit von Interesse sein könnte.

Die Präsentationen werden wie üblich den Betreuern und Sprechern der KAN zur Verfügung gestellt – diese Jahr erstmals über das Kläranlagenportal. Alle anderen KAN-Mitglieder können auf demselben Weg die Vorträge als pdf-File beziehen. 

Fotos der Veranstaltung
(Fotos: ÖWAV)


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