13.03.26

Rückblick: Seminar „Abwasser aus Gewerbe und Industrie“

Das traditionelle zweitägige Seminar an der TU Wien stand heuer unter dem Titel „Abwasser aus Gewerbe und Industrie“ und bot einen umfassenden Überblick über aktuelle technische, rechtliche und betriebliche Herausforderungen der industriellen Abwasserbehandlung. 

Den Auftakt bildete ein Überblick des BMLUK zu Industrieabwässern in Österreich und Europa, einschließlich Stoffströmen, Emissionsdaten und branchenspezifischen Belastungen. Daran anschließend zeigten Wissenschafter:innen der TU Wien, wie komplex und variabel Abwässer aus Industrieclustern sind und welche Risiken sie für kommunale Kläranlagen und Gewässer darstellen. Präsentiert wurden Ergebnisse des Forschungsprojekts „IndustrieCluster“, das einen neuen Leitfaden zur risikobasierten Bewilligung und Überwachung indirekter Einleitungen entwickelt. Dieser kombiniert Einzelstoff- und Mischtoxizitätsbewertung, effektbasierte Tests sowie mehrstufige Überwachung entlang des Abwasserpfads. 

Praktische Einblicke bot InfraServ Wiesbaden mit einem detaillierten Bericht zur Entwicklung, Kapazität und aktuellen Betriebsherausforderungen der großen Industriepark-Kläranlage (BARA). Sinkende Belastungen, veränderte Abwasserzusammensetzungen und wirtschaftlicher Sanierungsdruck verdeutlichten, wie stark Industrieparks strukturellen Wandel spüren und wie Anpassungsstrategien technisch und organisatorisch aussehen müssen. 

Weitere Vorträge behandelten zentrale Themen des Betriebs: Die Überarbeitung des ÖWAV-Regelblatts 39 zu Fettabscheidern einschließlich neuer Grenzwerte und einer erleichterten Überwachung; Erfahrungen aus Tirol und Wien beim Aufbau digitaler Indirekteinleiterkataster samt Herausforderungen bei Vollzug und Kommunikation; sowie internationale Best Practices – etwa Wasserrecycling in nigerianischen Raffinerien, MBR-Anlagen in Namibia oder Zero-Liquid-Discharge-Systeme in indischen Stahlwerken. 

Die Lebensmittelindustrie stand im Fokus eines technisch ausgerichteten Blocks: Strategien zur Blähschlammvermeidung durch Selektoren, die Auswahl geeigneter Belüftungssysteme unter erschwerten industriellen Bedingungen (oft niedrige α Werte), Energieoptimierung durch anaerobe Vorbehandlung sowie der Einfluss von Hilfsstoffen auf Nitrifikation und Schlammqualität. Fallstudien zeigten, dass selbst geringe Änderungen im Chemikalieneinsatz zu Betriebsstörungen führen können. 

Abgeschlossen wurde die Tagung mit Beiträgen zur Modellierung von Temperatureinleitungen in Gewässern und zum Bewilligungsverfahren für Industrieanlagen – inklusive integrierter Betrachtung von Emissionen, Risikoanalysen und behördlichem Prozessmanagement. 

Das Seminar vermittelte ein dichtes, praxisnahes Bild einer sich technisch wie regulatorisch stark wandelnden Industrielandschaft – mit klaren Trends zu Risikobewertung, Digitalisierung, Energieeffizienz und ressourcenschonenden Verfahren.



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