Das ÖWAV-Seminar „Hochwasserereignisse 2024“ fand am 25. November im Wasserbaulabor der BOKU Wien statt und war mit zahlreichen Teilnehmer:innen aus Verwaltung, Wissenschaft, Einsatzorganisationen und Praxis sehr gut besucht. Im Mittelpunkt standen die Analyse der außergewöhnlichen Hochwässer des Jahres 2024 und die Frage, welche Lehren für zukünftige Planungs- und Schutzmaßnahmen daraus gezogen werden können.
Klimawandel verstärkt Extremereignisse
Daten zeigen, dass der Klimawandel das Hochwasserereignis 2024 um bis zu 10 % intensiviert hat. Trotz dieser Entwicklung konnten die Gesamtschäden im Vergleich zu früheren Großereignissen reduziert werden. Gründe dafür sind umfangreiche Investitionen in technische Schutzmaßnahmen sowie die Erfahrungen aus den Hochwässern der 2000er-Jahre.
Erfahrungen bestätigen Wirkung bestehender Maßnahmen
Mehrere Vorträge zeigten deutlich: Rückhaltebecken, mobile Schutzsysteme und verbesserte hydrologische Überwachung haben wesentlich zur Schadensbegrenzung beigetragen. Gleichzeitig besteht weiteres Optimierungspotenzial im Betrieb und in der Abstimmung zwischen den verantwortlichen Stellen.
Vorsorge bleibt entscheidend
Alle Expert:innen betonten, dass es keinen vollständigen Hochwasserschutz geben kann. Ein Restrisiko bleibt immer bestehen. Neben technischen Systemen gewinnen daher individuelle und betriebliche Vorsorge, Notfallplanung sowie die Bewusstseinsbildung der Bevölkerung zunehmend an Bedeutung. Österreich verfügt mit Feuerwehren, Gewässermeister:innen, dem Zivilschutzverband und weiteren Einrichtungen über starke Strukturen, die durch Informationsmaterialien und Kampagnen von BMLUK und ÖWAV unterstützt werden.
Naturbasierte Lösungen rücken stärker in den Fokus
Ein weiterer Schwerpunkt des Seminars lag auf naturbasierten Maßnahmen in der Landschaft. Sie können – flächig angewandt – zu einer deutlichen Reduktion von Abfluss- und Erosionsspitzen beitragen und gleichzeitig die Resilienz landwirtschaftlicher Flächen stärken. Besonders hervorgehoben wurde die Bedeutung breiterer Flusskorridore, um Gewässern wieder mehr Entwicklungsraum zu geben.
Fazit
Die Diskussion machte deutlich, dass technische, planerische und ökologische Ansätze gemeinsam gedacht werden müssen, um Österreich langfristig resilienter gegenüber Extremereignissen zu machen. Auch die Rolle von Versicherungen in einem gesamtgesellschaftlichen Vorsorgekonzept wird weiterhin zu diskutieren sein.
Die
komplette Fotogalerie zur Veranstaltung gibt es in unserer
flickr-Galerie.
(Fotos: Boku University/Christoph Gruber)
Kurzinterviews mit: Helmut Habersack (BOKU), Heinz Stiefelmeyer (BMLUK), Daniela König (Land OÖ), Franz Higer (Land NÖ), Philipp Rieger (Seminarteilnehmer), Wolfgang Paal (ÖWAV)