21.05.26

ÖWAV bei EurEau EU3-Meeting in Kopenhagen vertreten

Der ÖWAV nahm mit Bereichsleiterin für Internationale Kooperationen, Fruzsi Földes, am diesjährigen EU3-Meeting der EurEau in Kopenhagen teil, das erstmals unter dem neuen Namen „EU3: Economic and Legal Affairs“ abgehalten wurde. Das zweitägige Treffen brachte Vertreter:innen der europäischen Wasserwirtschaft zusammen, um aktuelle regulatorische, wirtschaftliche und strategische Entwicklungen auf EU-Ebene zu diskutieren. 

In diesem Zusammenhang wurde auch auf die neue Website der EurEau verwiesen, die ab sofort unter https://eureau.org/ erreichbar ist und einen modernen Überblick über Aktivitäten, Positionen und Themen der europäischen Wasserwirtschaft bietet. 

Fokus auf neue EU-Initiativen und aktuellen Herausforderungen 

Das Meeting behandelte eine breite Palette an Themen, die für den Wassersektor in Europa von zentraler Bedeutung sind. Ein Schwerpunkt lag auf dem sogenannten Environmental Omnibus Package, das derzeit auf EU-Ebene diskutiert wird. Ziel der Initiative ist es, Umweltprüfungen und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen. 

Die vorgestellten Maßnahmen umfassen unter anderem: 
  • die Einführung verbindlicher Fristen für Umweltprüfungen, 
  • gemeinsame Bewertungsverfahren für Projekte, 
  • sowie die Möglichkeit einer stillschweigenden Genehmigung („tacit approval“), wenn Behörden innerhalb einer bestimmten Frist nicht reagieren. 
Zudem wurde das Konzept des „Overriding Public Interest“ als Instrument zur Beschleunigung von Genehmigungen diskutiert. Für den Wassersektor europawait ergeben sich daraus sowohl Chancen als auch Risiken: Einerseits könnten insbesondere Sanierungsmaßnahmen an bestehender Infrastruktur erleichtert werden, andererseits besteht die Gefahr von regulatorischen Schlupflöchern zugunsten potenziell umweltschädlicher Aktivitäten. 

In der Diskussion wurde auch die Frage aufgeworfen, ob der Wassersektor künftig stärker als strategischer Sektor eingestuft werden sollte – etwa im Kontext von Infrastrukturentwicklungen oder der Wohnraumschaffung – um von vereinfachten Genehmigungsverfahren zu profitieren. 

Energiekrise verschärft Herausforderungen für Wasserversorger 

Ein weiterer wichtiger Programmpunkt war die anhaltende Energiekrise und ihre Auswirkungen auf die Wasserwirtschaft. Es wurde betont, dass eine sichere Energieversorgung essenziell für die Wasserdienstleistungen ist – „ohne Energie kein Wasser“. 

Zu den zentralen Herausforderungen zählen: 
  • steigende Energiebedarfe durch neue Aufbereitungsverfahren, 
  • der notwendige Beitrag des Sektors zur Klimaanpassung, 
  • zunehmender Fachkräftemangel, 
  • sowie deutlich gestiegene Materialkosten – insbesondere im Pipelinebereich, wo Preissteigerungen von bis zu 64 % innerhalb eines Jahres in Irland verzeichnet wurden. 
Diese Entwicklungen verstärken den bereits bestehenden Investitionsbedarf im Wassersektor erheblich. 

Diskussion zur Zukunft der Wasserrahmenrichtlinie 

Im Kontext des ResourceEU Action Plans hat die Europäische Kommission im März 2026 einen Call for Evidence zur EU‑Wasserpolitik gestartet, um mögliche Weiterentwicklungen der wasserrechtlichen Rahmenbedingungen – insbesondere im Hinblick auf die Zeit nach 2027 – zu evaluieren. Diese Initiative bildete auch einen zentralen Ausgangspunkt für die Diskussionen im Rahmen des EU3-Meetings. 

Die Teilnehmenden tauschten sich darüber aus, wie der Wassersektor auf mögliche Anpassungen der Wasserrahmenrichtlinie (WFD) reagieren sollte – nicht nur im Sinne einer Sicherung bestehender Standards, sondern auch im Hinblick auf neue politische Anforderungen und externe Vorschläge, etwa aus dem Bereich der Rohstoffpolitik. 

Im Fokus der Diskussion standen insbesondere folgende Fragestellungen: 

  • Welche Elemente der bestehenden Wasserrahmenrichtlinie könnten in einzelnen Mitgliedstaaten praktische Herausforderungen verursachen, etwa im Zusammenhang mit Genehmigungsverfahren? 
  • Welche alternativen rechtlichen oder ergänzenden Instrumente könnten zur Lösung solcher Zielkonflikte beitragen? 
  • Wie kann die Europäische Kommission etwaige Anpassungen so gestalten, dass ein möglichst hoher Schutz der Wasserressourcen erhalten bleibt? 
Dabei wurden auch unterschiedliche Optionen diskutiert – von der besseren Nutzung bestehender Flexibilitäten über Leitlinien bis hin zu gezielten Anpassungen einzelner Bestimmungen – stets mit dem Ziel, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Umweltzielen und anderen politischen Prioritäten zu gewährleisten. 

Weiterführende europäische Wasserpolitik 

Neben diesen Schwerpunktthemen wurden auch weitere regulatorische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen für die Weiterentwicklung der europäischen Wasserinfrastruktur sowie die Rolle des Sektors in der grünen Transformation diskutiert. 

Mit ihrer Teilnahme konnte Fruzsi Földes wichtige Einblicke in aktuelle EU‑Entwicklungen gewinnen und gleichzeitig die Perspektiven des österreichischen Wassersektors in die europäische Diskussion einbringen. 
 

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