20.05.20
Covid-19 und Badewasser - der ÖWAV fragt Prof. Sommer!

Sehr geehrte Frau Prof. Sommer, Sie sind Leiterin der Abteilung „Wasserhygiene“ an der MedUni Wien und Mitglied im neuen ÖWAV-AA „COVID-19 und Abwasser“. Dort wird das Thema Corona auch im Hinblick auf Oberflächengewässer behandelt. Wie schätzen Sie allgemein die Gefahr einer Übertragung des neuen Corona-Virus beim Baden ein?

Prof. Regina Sommer: „Dazu Grundsätzliches: für den Gesundheitsschutz ist es sehr günstig, dass Corona-Viren eine empfindliche Hülle besitzen, die durch Seife, Desinfektionsmittel und allgemeine Umweltfaktoren leicht zerstört wird. Damit verliert das Virus seine Infektiosität. Die Übertragung des SARS-CoV-2 erfolgt in erster Linie von Person zu Person über Tröpfcheninfektion (wie beim Sprechen, Niesen, Husten), indirekt auch über mit Nasen-Rachen-Sekret kontaminierte Flächen und Gegenstände. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse über andere, bereits umfangreicher untersuchte Corona-Viren und die ersten Daten über SARSCoV-2 lassen erkennen, dass das Infektionsrisiko durch Badewasser gering ist. Die gilt umso mehr, wenn die Bestimmungen des Bäderhygienegesetzes (BHygG) und seiner Verordnungen eingehalten werden. Dennoch ist es aufgrund der fehlenden Erfahrung angezeigt, in einem ersten Schritt die Anzahl der Gäste in Einrichtungen nach dem BHygG zu beschränken, damit diese die notwendigen Abstandsregeln einhalten können. Diese Abstandsregeln gelten nicht nur "am Land" (Liegewiesen, Umkleiden, Sanitärräume, Sauna,…) sondern auch "im Wasser". Die Beschränkung der Anzahl der Badenden muss in Badewasser ohne Desinfektion größer sein, als in Badewasser mit Aufbereitung und Desinfektionswirkung. Bei der Badewasseraufbereitung in Beckenbädern ist durch das Desinfektionsmittel Chlor ein guter Schutz gegen eingetragene Krankheitserreger gegeben. Zusätzlich muss in der "Corona-Zeit" ein Abstand von 1-2 m zwischen den Badenden eingehalten werden, um eine Ansteckung durch Atemluft, Tröpfchen, Aerosole und Nasen-Rachen-Sekret zu verhindern. Bei Kleinbadeteichen wird der Infektionsschutz über die Verdünnung allfällig eingebrachter Krankheitserreger mittels eines großen Wasservolumens erreicht (10 m³/Badegast). Zusätzlich gelten - wie auch bei Oberflächenbadegewässern - die Corona-Abstandsregeln, d.h. bei diesen nicht desinfizierend wirkenden Badewässern ein Abstand von 3-4 m zwischen Badenden. Für Personen, die in einem gemeinsamen Haushalt leben, gelten untereinander die Abstandsregeln nicht. 

Im Experten-Gremium Bädertechnik/Bäderhygiene des BM für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz haben wir Empfehlungen erarbeitet, die den Betreibern solcher Einrichtungen Unterstützung bei ihrer verantwortungsvollen Tätigkeit bieten und die die Besucher/Badegäste gut informieren, sodass sie aktiv mit Eigenverantwortung ein ungetrübtes Badevergnügen genießen können."

> Empfehlungen des Bäderexpertengremiums 


Foto: ÖWAV/Titzer


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